Ragnhild Bachmann und Wibe – „Ein Traum wird Wirklichkeit“

  • Typ: eher barock gebauter Friesenwallach, charakterlich steht er immer zu mir
  • Ausbildung: Er ist klassisch bis L- Dressur ausgebildet und beherrscht die Seitengänge
  • Einsätze in den Shownummern: Zirzensische Lektionen, große-Dressur-Quadrille, S/W-Quadrille u.v.m.

 

Meine Geschichte, wie Wibe und ich zueinander gefunden haben und zur Ostsee-Quadrille kamen, möchte ich euch erzählen.

 

1993 begann mein Traum Wirklichkeit zu werden. Nachdem mein Mann bei unserem Nachbarn mehrmals auf der Kutsche mitgefahren war und Freunde mit einem Traber in unsere Nähe gezogen sind, meinten Beide, es wäre doch schön, wenn wir auch ein Pferd hätten. Man könnte uns auch einen Traber vermitteln. Kurz vorher hatte ich in dem Stall, wo mein Reitbeteiligungspferd stand, das erste Mal Friesenpferde gesehen. Genau so sah mein Traumpferd aus!

 

Mein Mann entdeckte eine Kleinanzeige: Friesenmix-Absetzer zu verkaufen. Sofort rief ich an und erfuhr, dass der kleine Mann ein Holsteiner-Friesen -Mix ist und er weiß werden kann. Auf keinen Fall wollte ich ein weißes Pferd, denn das Traumpferd war schwarz. Wir beschlossen ihn trotzdem anzuschauen. Mit einem viel größeren Holsteiner Fohlen, der sich immer vordrängelte, stand er schwarz, schüchtern und zuckersüß, in der Box. Nachdem wir auch noch die Elterntiere gesehen hatten, eine Schimmelstute, im Hengsttyp stehend und einen wunderschönen Friesenhengst mit langem Behang und freundlichem Wesen, waren wir Feuer und Flamme. Dieses Pferd konnte nur hübsch werden und es hatte unser Herz im Sturm erobert.

 

Im Mai zog Obligo in unserem Stall ein. Mit zwei Jahren ging er den Sommer über mit zehn Holsteinern auf die Hengstkoppel, um  mit Gleichaltrigen zu toben und sich gut zu entwickeln. Dreijährig, war er immer noch schwarz, bekam aber eine weiße Mähne, einen weißen Schweif und sein Gesicht bekam ein paar weiße Haare.  Spielerisch haben wir ihn an Sattel und Trense gewöhnt. Das Einreiten war überhaupt kein Problem. Als er fünf Jahre alt wurde, war mein Glück perfekt. Wir haben zu Hause einen Stall gebaut und noch ein Stück Wiese dazu gekauft. So konnte Obligo dann endlich ganz zu uns ziehen.

 

Es ist nun fast zwanzig Jahre her und ich erinnere mich noch genau an das aufregende Gefühl jeden Morgen: Geht es ihm gut? Hat er gut geschlafen? Ist alles in Ordnung? Es ist schon etwas Besonderes, wenn man plötzlich für sein Pferd selbst verantwortlich ist. Damit Obligo nicht alleine blieb, zog auch noch ein Pony bei uns ein.

 

Inzwischen war mir auch klar, dass man seinem Pferd nichts Gutes tut, wenn man es nicht ordentlich reitet. Also haben wir eine Reitschule besucht und festgestellt, dass er doch sehr „guckig“ sein kann. Unsere Reitlehrerin empfahl uns an Turnieren teilzunehmen, damit er mal etwas von der Welt sieht. Na, was für ein Spaß. Mal sprang er aus dem Viereck, mal war er plötzlich auf dem unteren Zirkel, weil oben am Rand die Richter saßen. Auch ein Pferdehänger als Richterwagen gebraucht, brachte ihn völlig aus der Fassung.  Wir ließen uns aber nicht entmutigen und 2004 nahmen wir am Breitensportturnier in Bad Segeberg teil. Dort traf ich Obligo´s  Züchterin Martina Friedrich und ihre Schwester Sabine Knaus wieder, die Obligo´s Vollschwester besitzt. Ich wusste, dass Beide bei der Ostsee -Quadrille reiten. Sie erzählten mir von dem Plan, eine Schwarz-Weiß  Quadrille zu gründen und fragten mich, ob ich auch dabei wäre. So wurden wir Gründungsmitglied von der Schachbrettquadrille in der Ostsee-Quadrille und hatten 2005 unseren ersten Auftritt in Neustadt/ Dosse.

 

Obligo hat nun viel in seinem Quadrilleleben gesehen und erlebt. Unter anderem waren wir in Neustadt/Dosse, bei der Nacht der schwarzen Perlen. Wir waren in Magdeburg auf der historischen Rennbahn, zu Klassik im Galopp und im Tempodrom in Berlin mit der Excalibur Horse Show. Trotzdem ist er noch heute, mit 24 Jahren schreckhaft, wie ein junges Pferd. Raschelt jemand mit einer Tüte, sitzt er vor Schreck fast auf der Fensterbank seiner Box.

 

Bei der Ostsee-Quadrille faszinierte mich schon von Anfang an die große schwarze Formation. Als Obligo seinen ersten schweren Rehe Schub bekam, habe ich mir Gedanken über unsere Zukunft gemacht. Mir macht das Quadrillereiten sehr viel Spaß und die weiten Touren, wir wohnen nördlich von Hamburg, machten uns nichts aus. Sollte Obligo einmal ganz ausfallen, inzwischen wissen wir, dass er an Morbus Cushing leidet, wäre es doch schön, wenn er einen Nachfolger bekäme. Es sollte auf jeden Fall wieder ein Fohlen sein und dieses Mal auch wirklich schwarz.

 

Auf einer Veranstaltung der Ostsee-Quadrille lernte ich Uta Ehrenfordt – Mitglied derOstsee-Quadrille kennen. Sie erzählte, dass sie nach Holland fahren will, um dort Friesenfohlen anzuschauen und evtl. auch kaufen möchte.  Im Juli 2007 fuhren wir gemeinsam los. In Friesland habe ich meine erste Zuchtschau besucht. Es war sehr interessant, nur das passende Fohlen war nicht zu finden. Am nächsten Tag wollten wir eigentlich nach Hause fahren. Wir erfuhren, dass am übernächsten Tag nochmal eine Zuchtschau stattfinden soll. Kurzentschlossen sind wir dann geblieben. Den Tag zwischen den Zuchtschauen sind wir zu verschiedenen Ställen gefahren. Es war nicht leicht meinen Wünschen nach  zu genügen.

 

Auf einmal stand er vor mir, mega cool, perfekter Körper in seinen noch braunem Fohlenfell. Das erste Mal von seiner Mutter weg, schaute er sich das ganze Treiben interessiert an. So ein entspanntes Pferd wäre ein Traum, da ich doch zu Hause genau das Gegenteil besaß. Damit war ich mir ganz sicher,  mein Traumpferd gefunden zu haben. Ich wollte ein Pferd, welches Dressurtalent besaß und sich bewegen kann. In Wibe hatte ich es gefunden.

 

Zu Hause angekommen, sollte Wibe seine neue Koppel erst einmal alleine in Augenschein nehmen. Nachdem wir  zum Willkommen und auf unsere gemeinsame Zukunft ein Gläschen Sekt getrunken hatten, wollten wir gleich mit der Zusammenführung der kleinen Herde beginnen. Obligo war immer mit anderen Pferden gut verträglich und wir dachten für das Fohlen sei es auch gut gleich Anschluss zu bekommen. Also gesagt, getan. Wir wollten unseren Augen nicht trauen. Ich erkannte Obligo nicht wieder, immer  friedlich und lieb trachtete dem kleinen Fohlen nach dem Leben. Er hat ihn sofort in eine Ecke getrieben und wollte gerade nach ihm schlagen, da konnte ein Schrei von mir ihn kurz stoppen und den kleinen Moment nutzte Wibe zur Flucht. Aber schon war Obligo wieder hinter ihm her. Er war so eifersüchtig und hat sofort gemerkt, dass an diesem kleinen Fohlen mein Herz hing. Sofort trennte ich die Beiden und Wibe bekam einen Trakehner Wallach zur Gesellschaft.  Nach kurzer Zeit hatte ich einen Aufzuchtplatz in einer Fohlenherde, mit Tinkern und Friesen gefunden und Wibe zog wieder um.  Dort ist er sehr robust aufgewachsen und war Sommer, wie Winter immer draußen. Jede Woche besuchte ich ihn dort und als er dreieinhalb Jahre alt war, kam er wieder zu uns nach Hause.

 

Leider war ich inzwischen schwer erkrankt und konnte ihn nicht selber einreiten. Ich brachte ihn zu einer Kollegin aus der Ostsee-Quadrille, eine erfahrene Hengsthalterin, die das Einreiten übernehmen sollte. Dort benahm er sich so unmöglich, dass ich ihn noch am selben Tag mit nach Hause nehmen durfte. Damit hatte Wibe entschieden Wallach zu werden. Nachdem er vier Monate in Beritt war, kam er wieder zu mir.

 

Langsam ging es mir besser und ich konnte ihn endlich selber reiten. Seine Ausbildung macht nur Spaß und es ist eine Freude auf ihm zu sitzen. Er arbeitet immer willig mit und bemüht sich alles richtig zu machen. Nach dieser langen Zeit versuchte ich es nun erneut meine beiden Pferde zusammen auf die Koppel zu lassen. Nur dieses Mal jagte Wibe Obligo. Aber die Begegnung war friedlich und respektvoll. Erst akzeptierten sie sich und inzwischen sind sie Freunde geworden.

 

2012 kam Willi schon mal zum Jahrestraining der Ostsee-Quadrille mit nach Dallgow. 2013 sind wir zusammen mit einer Freundin und ihrem Pferd zu Cor de Jong, nach Ungarn gefahren, um bei ihm die Grundlagen der Zirzensik zu erlernen. 2014 hatten wir unseren ersten gemeinsamen Auftritt in Neustadt/ Dosse,  in der Schwarz-Weiß-Quadrille. 2015 war es dann endlich soweit, dass Willi auch in der großen Quadrille mitgehen durfte. Seinen Auftritt bei den Titanen der Rennbahn in Brück hat er mir Bravour gemeistert, ebenso auch den großen Umzug durch die Stadt. Unsere Highlights kamen in November in Neumünster. In den Holstenhallen haben wir in dem Pferdemärchen „Marielle und das letzte Einhorn“ mitgewirkt. Im Dezember waren wir dann im Abendprogramm bei der Messe Pferd und Jagd in Hannover mit dabei. Jetzt freuen wir uns auf den Auftritt  beim Mercedes Benz CSI in Zürich.

 

Glücklich bin ich, dass ich zwei so großartige Pferde besitzen darf, welche mir jeden Tag aufs Neue so viel Freude bereiten. Obligo wird nun bald 25 Jahre und ich hoffe, dass er und Wibe mich noch sehr lange begleiten werden. Unendlich dankbar bin ich für die Unterstützung meines Mannes, der mir  all die Jahre ermöglicht hat unbeschwert zu den Auftritten zu fahren, mit der Gewissheit,  dass die Pferde zu Hause gut versorgt sind. Ohne ihn und den vielen Freunden wäre mein Traum wohl nicht wahr geworden.

 

Ein Bericht von Ragnhild Bachmann