Nadja Koß mit Bouke

Name: Bouke N.(Hengst)

Geboren: 8. Juli 2008

Vater: Jorn 430

Mutter: Minke Tannie

Stockmaß: 175 cm

Ausbildung: L-Dressur, Zirzensik

 

Mit dem Pferdevirus infiziert bin ich schon von Kindesbeinen an. Meine Freizeit verbrachte ich im Reit- und Fahrverein Moritzburg, wo ich eine leidenschaftliche Reiterin wurde und an kleineren Dressurwettbewerben teilnahm. Mit dem Ende der DDR kam leider auch das Ende meines Reitvereins; mein erstes eigenes Pferd habe ich noch von dort gekauft. Seither sind meine Pferde mir ständige Begleiter, denen ich – egal bei welchem Wetter – jede freie Minute widme. Das ist möglich, weil wir Stall, Koppel und Reitplatz direkt auf unserem Hof haben. Sie belohnen mich dafür, indem sie mich fit halten, mir gute Laune und Entspannung schenken und manch Schmunzeln oder Lachen ins Gesicht zaubern.

 

Anfang 2014 wurde ich mit meinem Friesenwallach Jouke zu einem Dressurkurs bei Carola Brucker eingeladen und bin seitdem mit großer Begeisterung dabei. Ihr verdanke ich auch den Anstoß, mich bei der Ostseequadrille zu bewerben.

 

Im Februar 2016 waren mein Mann und ich auf der Suche nach einem geeigneten Friesen-Wallach für das Abenteuer „Quadrille“, denn unser Jouke stieß bei dieser Herausforderung an seine mentalen Grenzen. Bei einem Friesen-Händler in Österreich glaubten wir, den passenden Kandidaten gefunden zu haben. Leider fand ich bei unserem Besuch dort überhaupt keinen Draht zu ihm. Auf meine detaillierte Nachfrage stellte uns der Hofherr noch ein unscheinbares Pferd vor, das wegen der eisigen Temperaturen in eine dicke Decke gehüllt war. Mein anfängliches Interesse erlosch jedoch sofort wieder, als es sich beim Satteln als Hengst herausstellte. Ein Hengst!!! Nie im Leben würde ein Hengst zu uns passen!

 

Doch der Proberitt war nun einmal vereinbart – und ich war von Bouke gefangen. Er hörte mir sofort aufmerksam zu, zeigte weiche Gänge und eine großartige Gallopade. Beim Absatteln suchte ich nach irgendeinem Fehler, der mich in meinem Vorurteil bestätigen würde, dass ein Hengst für uns nicht infrage kommen kann. Vergeblich. Er war sanft, freundlich und suchte aktiv den Blick- und Körperkontakt zu uns. Völlig ratlos fuhren wir ins Hotel und konnten Bouke nicht vergessen. Am nächsten Tag unternahm ich einen zweiten Anlauf, das Pferd zu testen. Die Besitzer beantworteten meine unzähligen Fragen, und ganz allmählich konnte ich mir vorstellen, diesem Hengst ein neues Zuhause zu geben. Doch wirklich überzeugt waren wir noch nicht, sondern baten uns Bedenkzeit aus und fuhren nachdenklich heim. Wir suchten schließlich nach einem dauerhaften Familienmitglied und nicht nach einem Sportgerät, dass bei Nichtgefallen weiter gereicht werden könnte. Viele Telefonate folgten. Wir vereinbarten eine Ankaufuntersuchung, um die Gesundheit des Hengstes feststellen zu lassen. Wer weiß, vielleicht war ja dort das Gegenargument zu finden? Doch nein – es war alles in bester Ordnung.

 

Nach knapp sechs Wochen und vielen schlaflosen Nächten waren wir wieder unterwegs nach Österreich, und wir hatten den Pferdeanhänger mit. Ein drittes Mal musste sich Bouke meinem Test unterziehen, und erneut zeigte er sich von seiner besten Seite; er schien keine andere zu haben. Also sollte es wohl so sein! Bouke benahm sich während des langen Transports mustergültig, betrat neugierig, aber entspannt seine vorbereitete Box und ließ sich von seinen beiden randalierenden neuen Wallach-Kollegen nicht beeindrucken. Er war endlich zuhause.

 

Bouke lernt schnell und möchte immer alles richtig machen. Besonders am Einüben von Kunststücken hat er sichtlich Freude. Er ist nicht hengstig und verträgt sich in Halle und Bahn mit jedem Pferd, egal ob Stute, Hengst oder Wallach. Nach kurzer Begrüßung konzentriert er sich wieder voll auf mich. In fremden Ställen und auf dem Transport ist er brav und lässt sich mit mir auch auf unbekannte und „unheimliche“ Situationen ein.

 

Auch mit Bouke nehme ich regelmäßig an Carola Bruckers Dressurkursen teil, um ihn und mich weiterzuentwickeln. Das ist die Voraussetzung für viele neue Herausforderungen in der Quadrille.

 

Ich habe in Bouke mein Herzenspferd gefunden und bin unendlich froh, dass ich damals an dem dummen alten Klischee nicht festgehalten, sondern ihm und uns eine Chance gegeben habe.

 

Er ist nicht nur eine Phase – er ist Teil meines Lebens.

Er ist nicht nur ein Hobby – er ist meine Leidenschaft.

Er ist nicht nur ein Pferd – er ist mein bester Freund.